Europa,  Wanderreisen

Meine Route vom
Pembrokeshire Coast Path
4. Wandertag

Von Bosherston nach
Freshwater West
16 km 130 hm

Jeder kennt diesen einen Urlaubstag, den man am liebsten wieder aus seinen Erlebnissen streichen würde. 
Um es kurz auszudrücken: Dieser war meiner.

Ich fuhr morgens mit der Buslinie 388 von Pembroke Dock nach Bosherston. Die Haltestelle war genau auf dem Wanderweg. Dort traf ich auf den vermutlich besten Busfahrer der Welt: Gordon. Er unterhielt sich mit mir die komplette Fahrt. Ich erfuhr dabei eine Menge über das Land, die Waliser, deren Geschichte, Kultur und Sprache. Er war quasi mein persönlicher Tourguide, der es mit Leib und Seele genoss, mir alles während der Busfahrt zu erzählen.

Eine Route – zwei Varianten

Für die heutige Strecke gab es zwei Möglichkeiten:
Die eigentliche Route führt die Küste entlang, vorbei an der St. Govan´s Chapel und der berühmten Felsformation „Green Bridge“.

Diese ist aber nur begehbar, wenn gerade keine Schießübungen des Militärs stattfinden.

Die Schießübungen sind allerdings in der Hauptsaison meist von Montag bis Freitag. Du kannst dies bereits Monate im Voraus auf der offiziellen Webseite überprüfen, jedoch können sich die Zeiten noch kurzfristig ändern.

Plane diesen Abschnitt für das Wochenende!

Ich rate dir trotzdem im Voraus sicherheitshalber diesen Wandertag auf einen Samstag oder Sonntag zu planen, so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du eben nicht die gleiche Erfahrung wie ich machen musst.

Bei der zweiten Route handelt es sich um die Alternativroute.
Zu dieser gab es nur die Info, dass sich diese im Landesinneren befindet, über Castlemartin geht und um das große Militärgelände außenherum führt.

Ich hatte mir eingebildet, dass es wichtig sei, den Pembrokeshire Coast Path in der richtigen Reihenfolge zu gehen, wohlwissend, dass ich so am Freitag nicht die angepriesene schöne Route gehe, sondern die Alternativroute innerorts über Castlemartin. Da ich aber bisher nichts Schlechtes darüber gelesen hatte, dachte ich mir nicht viel dabei.

Mein Rat an dich 

Wenn du nicht die eigentliche Wanderroute nehmen kannst, erspare dir diese Wanderung! Es sei denn, du bist ein absoluter Militärfreak und stehst auf Schranken, Posten und Zäune. Etwas anderes wirst du kaum zu sehen bekommen. 

Den Freshwater West Beach solltest du dir trotzdem auf keinen Fall entgehen lassen. Mit seiner wilden Seite, der unendlichen Weite und den malerischen Sanddünen ist er (zumindest bei Sonne) einer der schönsten Strände auf der Route. Er ist außerdem super für viele Wassersportarten geeignet.

Wenn du dann noch ein Potterhead bist, wirst du wohl kaum die Gelegenheit verpassen wollen, Dobby die letzte Ehre zu erweisen.

Zum Freshwater West Beach kannst du entspannt mit dem Bus 387/388 fahren oder auch dein Auto kostenlos in der Nähe am Car Park abstellen.

Zurück zur Alternativroute:

Für den Fall, dass du dir trotzdem die Alternativroute antun möchtest, hier ein paar Vorwarnungen:

Die Invasion der Bremsen

Nach nur zwei Kilometern bereute ich es bitter, diese Route gewählt zu haben.
Es gab absolut nichts Spannendes auf diesem Weg. Noch dazu bin ich in eine Brutstätte der Bremsen geraten. Hunderte von Bremsen surrten um mich herum und setzten sich auf meine Kleidung.

Bewege dich so viel wie möglich!

Ein Survivaltipp von einem Freund aus dem Allgäu war, sich so viel wie möglich zu bewegen, dann würden Bremsen nicht beißen. Da ich noch nie von einer gebissen wurde, aber oft gehört hatte, wie schmerzhaft es war, wollte ich mich entsprechend schützen.

Ich war fortan nur noch damit beschäftigt, die Insekten wie ein Ninja mit meinen Wanderstöcken abzuwehren und dabei möglichst viel zu zappeln, dass nicht so viele hängen bleiben würden.

Es hat tatsächlich funktioniert, war aber sehr anstrengend. Es war heiß, die Gräser hoch und ich traute mich keine Sekunde stehen zu bleiben.

Keine Orientierungshilfe

Das Gelände war riesig, alles sah nahezu gleich aus und der Weg war null ausgeschildert. Achja und Handyempfang gab es auch nicht.

Das führte dazu, dass ich mich komplett verirrt hatte, nicht mehr wusste aus welcher Richtung ich eigentlich kam und erst recht nicht wusste, wo ich langgehen muss. Als ich irgendwann wieder Handyempfang hatte, stellte ich fest, dass ich über 2 km in die falsche Richtung gegangen bin.

Filmston Chapel

Wenn du auch in der Nähe der bekannte Filmston Kapelle gelandet bist, kannst du gleich wieder umkehren. Dann bist auch du zu weit gelaufen. Immerhin ist die Kapelle wenigstens nett anzusehen.

Hier bist du zu weit gelaufen
Filmston Chapel

Ich war einfach nur froh, irgendwann aus diesem Labyrinth heil herausgekommen zu sein und atmete erleichtert auf, als ich endlich ein Schild Richtung Castlemartin entdeckte. Ab da war der Weg zum
Fresh Water West Beach gut ausgeschildert.

Die Straße zum Fresh Water West Beach

Der Name ist hier Programm. Der Wind fegte durch die Gegend. Es war nasskalt und es wurde so dunkel, als würde sich jeden Moment ein Unwetter aufziehen.

Das Wetter passte zu meiner miesen Stimmung. Selbst der Strand sah nicht so aufregend aus und ich fragte mich, was mir dieser Tag wohl heute gebracht hat.

Aufgepasst liebe Potterheads!

Das Einzige, worauf ich mich noch freute, war Dobbys Grab.
Als Potterhead war der Besuch natürlich ein absolutes Muss!

Das Grab ist total einfach zu finden. Du gehst einfach den Strand entlang. Wenn du Richtung Meer blickst, folge dem Strand nach rechts. Nach kurzer Zeit triffst du auf einen Haufen bunter Steine. Wenn du über die Steine gehst und die Sanddünen hochkletterst, müsstest du eigentlich schon die Gräber sehen können!

Eines von Dobbys Gräbern

Als großer Harry-Potter-Fan machte ich mir natürlich bereits vorher Gedanken zu Dobbys Grab. Ich fragte mich, ob diese ganze Gefühlsduselei nicht doch etwas übertrieben war, schließlich war Dobby „nur“ ein erfundener Elf und kein realer Mensch. 

Vermutlich war es nicht nur die rührende Geschichte, dass sich der versklavte Hauself Dobby für Harrys Leben genau an diesem Strand opferte, da Harry ihm vor langer Zeit die Freiheit aus der Versklavung geschenkt hatte und er damit seine große Dankbarkeit zum Ausdruck bringen konnte.

Es war wahrscheinlich ein Zusammenspiel aus dem miesen düsteren Wetter und dem beschissenen Tag und eben genau dieser Geschichte, die mich voller Trauer ergriffen auf die vielen mit Liebe gestalteten Steine erblicken ließ.

Da musste ich feststellen, dass es völlig egal war, ob das Grab für einen realen Menschen oder eben nur für eine erfundene Gestalt errichtet wurde. Die Verbundenheit und Anteilnahme der zahlreichen Fans waren echt.

Achte auf die Umwelt!

Wenn du auch Dobbys Grab besuchen möchtest, habe ich eine große Bitte an dich:
Trage nicht zur Umweltverschmutzung bei, indem du einen Stein mit Farbe anmalst oder beschreibst und lass unter keinen Umständen eine Socke von dir dort liegen. Das Liegenlassen einer Socke ist mittlerweile sogar verboten. Die Mikroplastikpartikel verschmutzen das Meer und  schadet den Meerestieren nachhaltig.

Aus eins mach zwei

Da es so viele Fans von uns gibt, musste mittlerweile das Grab in zwei Gräbern geteilt und etwas vom Meer entfernt umgesetzt werden. Daher ist es leider nicht mehr so fotogen, jedoch ist dies ein geringer Preis zum Schutz für die Umwelt. Bei einer großen Flut gelangt so nur ein Bruchteil davon ins Meer.

Eine Zeit lang wurde sogar vom National Trust überlegt, das komplette Grab an einem anderen Ort zu bringen, dass sich der Ort von den schlechten Einflüssen der zahlreichen Fans erholen kann.

Schütze die Lage von Dobbys Grab!

Mit dem Sockenverbot, der Umsetzung und Aufteilung des Grabes sowie den Aufrufen und Bitten an die Potterheads, die Steine naturbelassen niederzulegen (farbig sind viele Steine hier von Natur aus), hofft man aber, dass das Grab an dem originalen Drehort bleiben darf.

Trage also auch DU dazu bei, dass sich auch in Zukunft die Potterheads an dem originalen Drehort mit Dobbys Grab erfreuen können!

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